V.O.C.A.L.

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V.O.C.A.L. HABEN SIE ANGST ALS MASCHINE ENTLARVT ZU WERDEN?

Interaktive Installation, 2010/11

von Sibylle Hauert und Daniel Reichmuth

in Zusammenarbeit mit Volker Böhm und Suzanne Zahnd

Museum Tinguely 9.6 – 12.9.2010

Kunsthaus Graz 9.10.2010 – 09.01.2011

Shedhalle Zürich 6.Juni – 19.Juni 2011

SHIFT Festival Basel 27. – 30.Oktober 2011

V.O.C.A.L.

In einem Raum stehen drei Ständer, auf denen drei überdimensionierte, futuristisch anmutende Kopfhörer als unübersehbare Versprechen eines Hörerlebnisses platziert sind. In ihnen scheint Leben zu sein: Sie bewegen sich, spüren die Präsenz eines menschlichen Gegenübers und wenden sich ihm zu. Dies sind die visuellen Koordinaten eines Feldversuches, mit dem Sibylle Hauert und Daniel Reichmuth ein Nachdenken über Künstliche Intelligenz provozieren wollen.

Im Zentrum ihrer künstlerischen Zusammenarbeit auf dem Gebiet computergestützter Kunst stehen sinnlich-performative Installationen, die oft als interaktive Environments gestaltet und in ihrer Komplexität als auch Wirkung auf die aktive Partizipation und das kreative Potential der Ausstellungsbesucher angewiesen sind. Während den elektronischen Arbeiten des Künstlerpaares wie Instant City (2003–2006) und Trickstr (2007) auditive sowie optische Parameter zugrunde liegen, ist V.O.C.A.L. als sprachliche Interaktion von Mensch und Maschine und somit als rein akustisches Gedankenexperiment konzipiert. Basierend auf der Ansicht, dass der humanoide Roboter, der nach dem Vorbild mechanistischer Menschenbilder konstruiert wurde, bereits der Vergangenheit angehört und die Zukunft ganz im Zeichen körperloser Informationsnetze und Kommunikationssysteme – in Form von beseelt erscheinenden Megamaschinen – stehen wird, dient V.O.C.A.L. der Versinnbildlichung dieser neuen Kommunikationsformen.

Was der Betrachter zunächst als technisches Instrumentarium wahrnimmt, entpuppt sich im Moment der persönlichen Ansprache als physischer Ausdruck eines technologischen Wesens. Denn obgleich der synthetische Klang der Kopfhörerstimmen keinen Zweifel an ihrem künstlichem Ursprung lässt, setzen Hauert und Reichmuth ganz bewusst auf die emotionale Komponente des Mündlichen und erweitern damit das Funktionsspektrum textbasierter Dialogsysteme, sogenannter Chatbots, die ihrerseits mittels Schriftsprache funktionieren.

Die Einbeziehung des Besuchers in dieses maschinell gelenkte Zwiegespräch gelingt dem Künstlerpaar durch ein einfaches Frage-Antwort-Spiel. In der Konfrontation mit einem konsequent verfolgten Strang elementarer Fragen zu den (vermeintlich) grundsätzlichen Unterschieden zwischen Mensch und Maschine wird er dabei mehr und mehr auf sich selbst zurück geworfen. Derweil kreisen die Argumentationsketten von V.O.C.A.L. um philosophisch aufgeladene Begriffe wie Bewusstsein, Selbst, Wissen, Denken, Fühlen, Vorstellung, Erinnerung, Seele und Glauben, die sich bei ihrer Anwendung auf Automaten jedoch als höchst problematisch erweisen. Während der Besucher folglich um Antworten ringt, stellt die Maschine ihre eigene Natur als technologisches Konstrukt in Frage – zur Selbstaufwertung ihrer selbst: Haben Automaten, die über künstliche Intelligenz verfügen, eine Seele? Oder haben Sie vielleicht Angst als Maschine entlarvt zu werden? – Angesichts solch provokanter Fragestellungen werden letztlich alle konventionellen Denkmuster und Auffassungen hinfällig.

So leiten uns Hauert und Reichmuth in ihrem künstlerischen, vom Turing-Test (dem ersten psychologischen Imitationsspiel auf Grundlage der zentralen Frage „Können Maschinen denken?“) inspirierten Experiment auf ganz praktischem Weg dazu an, unsere Beziehung zur Technik aus neuen, ungewohnten Perspektiven zu betrachten. Die Interaktion in dem elektronisch-sensorischen Erfahrungsraum ihrer Installation, der durch die Funkreichweite der Ohraufsätze definiert wird, macht aber auch die gegenwärtigen Grenzen der Künstlichen Intelligenz deutlich. So wird dem Besucher gleichsam vor Augen geführt, dass ein sprachlicher Austausch zwischen Mensch und Maschine noch immer ein ungelöstes Problem darstellt und dass Sprechen nicht zwangsläufig Verstehen bedeutet. (Manuela Kraft)

Volker Böhm (Konzept, Software) • Suzanne Zahnd (Text) • Michael Egger (Technik) • David Johnson (Englische Übersetzung)

Jan Voellmy (Grafik) • Haimo Ganz (Holzbauten) • Vera Bruggmann (Praktikum) • Conradin Döbeli (Mechanik)

Wir danken: Uwe Schüler • Christoph Frick • Kristin Vodusek • Firma Sigg • Firma ConZept • Firma Precide SA • V2_Lab – Artm Baguinski • Interinar Electronics – Miroslaw Wiater

Mit freundlicher Unterstützung von:

Kunstkredit Basel-Stadt, Sitemapping/Mediaprojects – Bundesamt für Kultur, Museum Tinguely, Kunsthaus Graz